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Inhalt:
Diebe in Buenos Aires machen Pause | Tipp des Monats | Militärdiktatur: Erster Prozess seit 20 Jahren | Mülltrennung CHEMNITZ DRESDEN ERFURT / JENA / WEIMAR HISTORIA - Tango Argentino in Dresden
Mittelseiten - Grafiken von Helena Rossner
RASENBOWLING I - Rundes Disign RASENBOWLING II - Süßes zum Spiel
HALLE LEIPZIG anderswo / PRAG Erinnerungen an „Quico“ IMPRESSUM , Anzeige Anzeige
Veronica Seidel COVER
Artikel
aus der Rubrik HISTORIA
Tango in Dresden
Der Tango, Musik wie Tanz, wird seit langen in Dresden praktiziert. Im Sommer 1992 wurde der erste Tangokurs zusammen mit einem Tanzpaar aus Berlin in einer kleinen Turnhalle organisiert. Kurze Zeit später entdeckte Jürgen Karthe, der bereits zuvor viele Instrumente spielte, das Bandoneon für sich. Daraufhin gründete er 1994 das Sexteto Andorinha, welches eines der bekanntesten europäischen Tangoensembles wurde. Jürgen Karthe und sein Orchester haben viel dazu beigetragen, die Tango-Kultur in der Landeshauptstadt aufzubauen und zu etablieren. Anfangs gab es noch kein festes Tango-Publikum in Dresden, so dass das Ensemble vereinzelt in verschiedenen Bars und Cafes spielte. Durch einen glücklichen Zufall trafen sie bei einem ihrer Auftritte auf das Tanzpaar Christiane und Horst Kröniger aus Regensburg. Damals gab es noch keine ansässigen Tanzlehrer vor Ort. Der Initiative von Jürgen Karthe ist es zu verdanken, dass von nun an vierteljährlich Workshops mit beiden professionell ausgebildeten Tänzern organisiert werden konnten. Die Gastlehrer aus Regensburg haben immer mehr neugierige Tango-Interessierte für das Tanzgefühl des Tango Argentino begeistert und damit den schnellen Aufbau der Tango-Szene bewirkt. Von Oktober 1994 bis Juli 2002 fanden in regelmäßigen Abständen Practicas und Milongas der Tangowerkstatt Regensburg in Dresden statt; zuletzt in dem wunderschönen ehemaligen Ballhaus ’Strehlener Hof’, jetzt Hotel Königshof. Anschließend setzten Heike Doll und Christian Schmidt-Doll aus Schwerin diese Tradition fort. Beide absolvierten ihre Lehrausbildung in der Tango-Werkstatt von Christiane und Horst Kröniger.
Zudem belebt seit nunmehr zehn Jahren Anja Treß die Tanzkultur in Dresden. Neugierig gemacht von den Erzählungen einer Freundin besuchte sie 1994 ihren ersten Tango-Kurs. Begeistert von der Sinnlichkeit und Improvisation des Tanzes nahm sie von da an regelmäßig Unterricht bei verschiedenen Lehrern aus Berlin und Argentinien. Ihre so gesam-melten Erfahrungen wollte sie auch an die eifrigen Tänzer in Dresden weitergeben. Zusammen mit dem Andorinha Sextett veranstaltete sie daher ab 1995 wöchentlich Einführungskurse im TIF, dem Theater in der Fabrik. Seitdem gab es nun die erste regelmäßige Gelegenheit, die schönen Drehungen und raffinierten Schrittkombinationen des Tangos zu erlernen. Ein Jahr später unterrichtete Anja zusammen mit Ihrem Tanzpartner Karsten Waniorek dann im ’Gare de la Lune’. Von nun an gab es jeden Mittwoch eine Schnupperstunde in den Räumen des neuen Domizils, wo die Atmosphäre was von den Ballsälen der 20er Jahre hat. Oft wurden diese Abende vom Andorinha Sextett um Jürgen Karthe begleitet. Anja und Karsten, die auch als Showpaar auftreten, organisieren auch heute noch gemeinsame Wochenendkurse.
Im Herbst 2002 eröffnete sie ihr eigenes Tanzstudio in Dresden. Seitdem können dort die Tanz-Enthusiasten jeden Samstag im Tango-Schritt über das Parkett gleiten. Zudem bezauberten bereits mehrfach Workshops mit professionellen Tanzlehrern aus aller Welt mit ihrem Temperament und ihren sehr guten Arrangements das Publikum. Erst kürzlich konnten die tänzerischen Qualitäten von Demian Garcia und Carolina Bonaventura aus Argentinien bewundert werden. Hinzu kamen Workshops mit Erik und Jeusa aus Berlin, Michael Domke und Gerit aus Bremen sowie Maria Antonieta Tuozzo und Ezequiel Herrera aus Madrid. Nach wie vor organisiert Anja Treß jeden Mittwoch die Tango-Einführungsstunde im ’Gare de la Lune’ sowie deren musikalische Begleitung.
Aus einer privaten kulturellen “Neustadtaktivität“ heraus, hat sich der Tango-Verein Bailamos gegründet, der ebenfalls regelmäßig Kurse organisiert. Der Verein wurde im Sommer 2003 ins Leben gerufen, um den Argentinischen Tango in Dresden zu fördern. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet Bailamos mit dem ’Gare del la Lune’ zusammen und organisiert verschiede-ne Tango-Events sowie Workshops für Tänzer und Anfänger. Einmal im Monat veranstaltet der Verein einen Tango-Abend im ’Gare de la Lune’, begleitet von exzellenter Live-Musik. So konnten schon legendäre Ensembles wie Musamistonga oder La Rolando Rivas bestaunt werden. Seit seiner Gründung hat Bailamos mehr als 20 Live-Konzerte mit Musikern aus Argentinien und Europa veranstaltet. Zu den bisherigen Highlights gehören u. a. die Auftritte von Bien Frappé, Trasnoche, dem Andorinha Sextett, Dos y uno, El Tranvia sowie Pablo y Mauro Cardozo im ’Gare de la Lune’. Schließlich gehört der jährliche Weihnachts-Tango im Medienkulturhaus Pentacon mit vielen Überraschungen zu den legendären Tango-Veranstaltungen in Dresden. Überdies präsen-tierte sich der Verein 2004 im Rahmen des Elbhangfestes mit einem einzigartigen Open-Air-Tango.
Im Herbst 2000 gründete Jürgen Karthe zusammen mit Fabian Klentzke das Duo Amoratado. Mit großer Feinfühligkeit und Sensibilität interpretieren sie den Tango auf eine kraftvolle und lebendige Art und Weise. Zeit geraumer Zeit können die stilistischen Feinheiten und das perfekte Zusammenspiel jeden Dienstag im Societaetstheater bestaunt werden. Im Rahmen zahlreicher weiterer Tango-Veranstaltungen waren in der Landeshauptstadt andere internationale Ensembles zu Gast. Zu ihnen gehören beispielsweise das Quinteto Cambalache mit dem großartigen Bandoneonspieler Alfredo Marcucci sowie Nuevo Trio Pantango aus Buenos Aires und Cuarteto Cortado.
Das Lebensgefühl und die Leidenschaft für den Tango Argentino etablierte in Dresden eine bunte Szene an Tango-Tänzern. Mit der Zeit hat auch der Tango in Dresden verschiedene Stadien durchlaufen. Dennoch wird die Begeisterungswelle für den Tango, der Gefühle ausdrückt, die wir alle empfinden, auch in Zukunft anhalten.
Tangomusiker
Erinnerungen an „Quico“
Artola, Héctor Maria *30.04.1903 San Jose de Mayo (Uruquay), † 08.07.1982 Buenos Aires
Als sich Héctor Maria Artola alias „Quico“ 1967 aus dem öffentlichen Leben komplett zurückzog, konnte er auf ein bewegtes und sehr erfolgreiches Leben im Zeichen der Musik zurückblicken. In seiner Jugend brachte sich Artola das Bandoneon- und Pianospiel selbst bei und erreichte bereits durch sein autodidaktisches angelerntes Können eine hohe musikalische Qualität. Sein Debüt war 1924 bei der feierlichen Einweihung des Cabarets Chantecler in Montevideo. Danach spielte er gelegentlich im Quartett von Arolas und Donato- Zerrillo. Über seine Kontakte aus der Musikszene und sein unermüdliches Wirken brach Artola 1927 mit dem Orchester Bianco – Bachicha zu einer großen Europatournee auf. In den Folgejahren reiste Artola noch mehrmals nach Europa und arbeitet unter anderem mit Dreambroggio „Brahicha“ zusammen. Artola sammelte dabei sehr viele und schöne Erfahrungen. Zurückgekommen in der „Tangohauptstadt“ Buenos Aires, beeinflusste er in den 40er Jahren den Tango maßgeblich. Er hielt in dieser Zeit sehr engen Kontakt zu Fresedo und Troilo. 1938 leitete er das Orchester Maida, und ab 1940 bis 1949 war er als Direktor das hauseigene Orchester des Senders Radio El Mundo. Danach gab er das Bandoneon- und Pianospiel auf und widmete sich ausschließlich der Komposition und den Texten von Tangos, so zum Beispiel „Ayúdame a vivir“, „Como el arco iris“ oder „Equipaje“. Artola war ein sehr bekannter Vertreter des Tango ríoplatense und beeinflusste mit seinen Arrangements den Tango der vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhundert nachhaltig.
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