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Archiv vom Oktober 2006



Inhalt:

Bis 2020 keine Kinderarbeit mehr? |
Völkermord in Argentinien bestätigt | Tipp des Monats


CHEMNITZ
DRESDEN
ERFURT / JENA / WEIMAR


Zeichnung Abel Zeltman (Ital./Arg.)


HALLE
LEIPZIG
anderswo / PRAG


„Tita de Buenos Aires“


Artikel

Lateinamerika: Bis 2020 keine Kinderarbeit mehr?

QUITO, 28. September 2006 - Mehr als 100 Experten und Behördenmitarbeiter aus Amerika, Europa und Asien haben beim Treffen „Encuentro Internacional Proniño“ in Ecuador der Kinderarbeit den Kampf angesagt.
Regierungskampagne gegen Kinderarbeit in El Salvador
Die Veranstaltung in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito begann am Montag und wird am heutigen Donnerstag mit einer Abschlusserklärung enden. In ihr sind mehrere Aktionspunkte festgelegt, mittels denen die Regierungen die Kinderarbeit in Lateinamerika in den kommenden 13 Jahren schrittweise abschaffen sollen.
Die Experten fordern die Regierungen auf, den „sozialen Dialog“ zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, den Gewerkschaften und den Unternehmern zu „vertiefen“, und die Anstrengungen und Ausgaben zur Bekämpfung der Kinderarbeit zu erhöhen.
Des weiteren wird vorgeschlagen, dass die Staats- und Regierungschefs beim kommenden Lateinamerika-Gipfel die Situation in den jeweiligen Ländern analysieren.
Die Unternehmer werden aufgefordert, jedwede Kinderarbeit innerhalb des Unternehmens, aber auch bei den Zulieferern zu unterbinden.

Völkermord in Argentinien bestätigt

Buenos Aires - Ein argentinisches Gericht hat die Menschenrechtsverbrechen während der Militärdiktatur (1976-1983) erstmals als Völkermord bezeichnet. Diese Feststellung war von Menschenrechtsgruppen seit langem gefordert worden. (bert/sda)
Sie ist nun in einem Urteil gegen einen früheren Polizeioffizier enthalten. Der heute 77-jährige Miguel Etchecolatz wurde vom Gericht in der Provinzhauptstadt La Plata wegen Folter, Mordes und Entführung von Regimegegnern zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Er habe sich dabei an einem staatlich organisierten Völkermord beteiligt, betonten die Richter. Schätzungen zufolge wurden unter der Herrschaft der Militärs etwa 30 000 Menschen umgebracht. Im Gerichtssaal brach nach der Urteilsverkündung Jubel aus.
Systematischer Vernichtungsplan
«Es handelte sich nicht um isolierte Einzelverbrechen, sondern um einen systematischen Vernichtungsplan, dem alle zum Opfer fielen, die der Diktatur bei der Verwirklichung ihres Gesellschaftsmodells im Wege standen», hatte die Staatsanwaltschaft ihren Antrag auf Feststellung eines Völkermordes begründet.
Diese Rechtsauffassung könnte für zahlreiche weitere Verfahren gegen ehemalige Polizisten und Militärs Bedeutung erlangen, weil alle Verbrechen damit Teil eines Völkermordes wären und härtere Strafen nach sich ziehen würden.


Tangomusiker:

TITA MERELLO- Tita de Buenos Aires
*19.11.1904

"Man sagt von mir / Se dice de mi

Man sagt von mir, daß ich wild bin,
daß ich zum Böswilligen neige,
daß ich X-Beine habe und
mich wie ein Kerl bewege.
Daß ich wie ein Leguan erscheine,
meine Nase spitz ist,
meine Figur mir nicht hilft
und mein Mund ein Briefkasten ist.
.....
Sie sagen viele Dinge, noch mehr,
wenn sie das Ausmaß nicht interessiert.
Warum verlieren sie den Kopf,
wenn sie sich um mich bemühen?
.....
Und sich vor mir verbergen.
Verbergen, daß ich träumende Augen habe
neben anderen Vorzügen, die beeindrucken.
Wenn ich häßlich bin, weiß ich,
daß ich dafür die Haut einer Puppe habe.
Sie sagen, daß ich knochig bin,
aber sie haben mich nicht in meinem Nachthemd gesehen"

In der Welt des Tangos gibt es Lieder, die mit ganz bestimmten Interpreten in Verbindung gebracht werden, obwohl durchaus auch Versionen anderer Musiker existieren. So ist dies z.B. mit Garúa von Goyeneche, Sur von Troilo und Rivero, Corazon de Oro von Canaro, Mi Buenos Aires Querido von Gardel, Adios Nonino von Piazzolla, Ninguna von Rufino, A la gran Muneca von Di Sarli usw. der Fall. Auf die gleiche Weise identifiziert Se dice de mi Tita Merello. Bei diesem Lied ist es unmöglich an jemand anderen zu denken. Warum? Weil sie aus dem Lied mehr gemacht hat: ein Gesamtkunstwerk mit Musik, Text und Theater. Die Schauspielerei war auch eine der Stärken Tita Merellos. Am 11. Oktober 1904 geboren, spielte sie, noch ganz jung, in Couplets mit, Singstücken voll mit Humor und Bissigkeit, die sie auf ihrem weiteren Weg als Sängerin beeinflußt haben. Tita wirkte in den dreißiger Jahren auch in einigen Filmen mit. Davon zog sie sich jedoch zurück, um sich ausschließlich Gesang und Theater zu widmen. Obwohl sie als Solistin und mit verschiedenen Ensembles auftrat, ist ihr Werk vor allem in der Zusammenarbeit mit Francisco Canaro und in ihren Filmen aus den fünfziger Jahren Filomena Marturano, Arrabalera, Mercado de Abasto um nur einige zu nennen, zu sehen.
Mit Anmut und Humor zu singen, in der Art des einfachen Mädchens aus der Vorstadt, das sie auch war, prägten nicht nur ihren musikalischen Stil. Dieser steht im Gegensatz zu dem sehr damenhaften, welcher durch Libertad Lamarque repräsentiert wurde. Nach dem Putsch gegen Peron verließ sie Argentinien und lebte für kurze Zeit in México.
Wieder zurück, gestaltete sie, sehr eng vor allem mit jungen Menschen verbunden, die Fernsehsendung: El Consultario de Tita. Hier beriet und half sie Mädchen und Frauen in allen Lebensfragen.