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Archiv vom September 2006



Inhalt:

Mehr als nur Tango | El Sur - Pathagonien und Feuerland


CHEMNITZ
DRESDEN
ERFURT / JENA / WEIMAR


Grafiken von  Wolfram Neumann (DD)


HALLE
LEIPZIG
anderswo / PRAG
Das Projekt „Gotan Project“


COVER Wolfram Neumann


Artikel:

Mehr als nur Tango

Argentiniens Musikszene ist äußerst vielfältig. Tradition und Moderne begegnen und befruchten sich in allen Musikgenres. So kommen Liebhaber der klassischen Musik, der Folklore oder des Rock mit all ihren Spielarten auf ihre Kosten.
Mit dem Internet ist es möglich, das Musikland Argentinien genial einfach zu entdecken: per Link entweder direkt eine Radiostation anklicken oder sich auf den mp3-Sites etwas herunterladen!
Wer denkt nicht an Tango, wenn man von Argentinien spricht? Der Mix aus Lied und Tanz wurden sowohl von Musik aus dem Land selbst als auch von spanischer, italienischer und kubanischer Musik beeinflusst. Er entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Tanz der Ärmeren von Buenos Aires.
Gesellschaftsfähig wurde der Tango erst nach einem Umweg über Paris. Nachdem er dort die Salons erobert hatte, erlebte er als gesungener Tango auch in seiner Heimat Buenos Aires nach 1920 einen Durchbruch. Dazu verhalf ihm insbesondere der 1890 in Toulouse geborene Carlos Gardel, der unbestrittene „König des Tangos“.
Eine zweite Renaissance erlebte der Tango nach einer Zeit der relativen Bedeutungslosigkeit gegen Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem „Avantgarde-Tango“. In dieser Zeit wurde der Tango als eigenständiges Kulturprodukt Argentiniens wiederenteckt und -belebt. Herausragende Figur war Astor Piazzolla (1921-1992), der die Ausdrucksweise des „Tango argentino“ modernisierte und zu anderen Stilrichtungen hin öffnete.

El Sur - Patagonien und Feuerland

Nur den Namen Patagonien auszusprechen weckt Fernweh und Sehnsucht. Kaum eine andere Region der Welt scheint derart die Fantasie anzuregen wie Patagonien. Berge, Gletscher, unendliche Weite - ein Paradies für Naturbegeisterte. Patagonien, das sind die Provinzen Neuquén, Río Negro, Chubut, Santa Cruz, südlich des 38. Breitengrades, bis Feuerland. Im Westen reicht es bis zur chilenischen Grenze, die von den Anden gebildet wird. Dort regnet es sehr viel, die Berge sind von Buchenwäldern bedeckt und große Seenplatten sind zu  entdecken. Weiter im Osten bis zum Atlantik liegen öde, baumlose Tafelberge. Auf den unendlichen Weiten gibt es wenig Ortschaften und Menschen, dafür aber umso mehr Schafe. Seit einiger Zeit wird in Patagonien auch Erdöl und Erdgas gefördert.


Das Projekt „Gotan Project“

Gotan oder auch Tango, eine Wortspielerei setzte den wohl bekanntesten Namen in der elektronischen Tangoszene zusammen. Gotan Project wurden 1999 durch die Musiker Philippe Cohen Solal, Eduardo Makaroff und der aus Basel stammende Christoph H. Müller gegründet. Für das neueste Projekt „Lunático“ kam Nini Flores als Bandoneonist und die aus Barcelona stammende Sängerin Cristina Vilallonga hinzu.
Ihr Debutalbum wurde millionenfach in der ganzen Welt verkauft und ist fast in jedem Land der Erde kein unbekanntes mehr. 2003 gewann dann „La Revancha del Tango“ in der Gruppe Newcomer den BBC World Music Award.  In einem Interview betonte Philippe Cohen Solal, dass sie den Tango und die argentinische Folkloremusik verbinden und weiter entwickeln wollen. Es ist eine „Fusion von Tango und argentinischer Folklore mit den Möglichkeiten der elektronischen Musik.“ taz
Für die Musiker von Gotan Project steht vor allem Anibal Troilo als Vorbild für ihre Tango orientierten Stücke. Auf der neuen CD „Lunático“ hört man meiner Meinung nach sehr gut die starke Orientierung an der traditionellen Musik Argentiniens heraus.
Die Ideen für die ausgefallenen Arrangements entstanden vor allem während vieler Sessions mit argentinischen Musikern.
“ Es gibt viele Gründe, warum die Musik des Gotan Project nur in einer Stadt wie Paris entstehen konnte: „Paris ist die zweite Hauptstadt des Tangos“, sagt Eduardo Makaroff, der vor sechzehn Jahren aus Buenos Aires nach Paris zog und dort einen Tango-Club eröffnete. „Ich habe hier mit einigen der besten Sänger und Musiker des Genres zusammengearbeitet.“ Gleichzeitig lastet der Druck der Tradition im Ausland nicht so stark auf den Schultern der Künstler, wie dies im Mutterland des Tangos der Fall wäre: Schon Astor Piazolla zettelte seine Revolution des Tangos deshalb einst in Paris und den USA an. Und schließlich verfügt Paris über eine offene Musikszene, in der das stilistische Crossover Tradition hat. „Paris mag die zweite Hauptstadt des Tangos sein“, sagt Philippe Cohen-Solal. „Aber es ist auch die erste Hauptstadt der Weltmusik. Bei uns ist es üblich, abends im Club auf einen Jazzmusiker zu treffen, der gerade mit einem afrikanischen, brasilianischen, arabischen oder kubanischen Musiker auf der Bühne jammt.“ So laut TAZ vom 24.4.2006, S. 13, 265 Z.