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Tango Argentino in Chemnitz



Tango Argentino in Chemnitz

„Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern eine Art Lebensgefühl“

Mit diesen Worten eröffnete 1997 der Oberbürgermeister das Kulturfestival „Begegnungen“ im Chemnitzer Opernhaus. Zu dieser Zeit etablierte sich deutschlandweit eine immer größer werdende Tangoszene. Wie überall ist die Begeisterung groß für den argentinischen Tango. Kein Wunder also, dass sich das elfte Festival ganz diesem Tanz der Erotik, Leidenschaft und Hingabe widmete. Eröffnet wurde das Festival mit „Bandoneon Straße – Tango totale. Das Original vom Rio del la Plata“ mit Nestor Vaz, Meister des Bandoneons, und dem Tango-Ensemble Joventango aus Montevideo. In einer beeindruckenden Show wurde so die Geschichte des Tangos und Bandoneons erzählt. Vervollständigt wurde das Festival mit Workshops, Konzerten, Tangovorträgen sowie Luis Di Matteo, einem gegenwärtig fabelhaften Bandoneonspieler. Warum also dieses Potential nicht auch in Zukunft nutzen, dachten sich Henriette Schneidewind und Ulf Kallscheidt, die Begründer von tangomarx.  Seitdem stellten die Leute vom VOXXX einen Abend pro Woche im Cafe bereit. In einer kleinen Gruppe von zwei bis drei Tanzpaaren traf man sich jetzt wöchentlich zum Tanz im neu gegründeten Tango-Salon. Aufgrund der Renovierung des Cafes musste tangomarx sechs Monate später in die Techno-Halle umziehen, ein eher unpassender Ort, diesen sinnlichen und fantasievollen Tanz zu zelebrieren. Bereits kurze Zeit später organisierte Henriette Schneidewind zusammen mit Arthur Hofmann die ersten Workshops, die später in regelmäßigen Abständen stattfanden. Nach dem Umbau war jedoch das Cafe zu klein geworden, da sich die Tangogemeinde längst vervierfacht hatte. Außerdem genügte der gekachelte Fußboden nicht mehr den Anforderungen der Tänzer. Und so baute man einen neuen Dielenboden, der von nun an jeden Mittwoch den Tango-Salon im Kinosaal schmückte. Angesteckt vom Tango-Fieber kamen immer mehr Tanzwütige einmal pro Woche in die alten Brauereihallen in der Horst-Menzel-Straße. Grund genug, um zusätzlich in regelmäßigen Abständen verschiedene Tango-Konzerte zu veranstalten. Zur ersten exzellenten Musikdarbietung spielte das klassische Tango-Orchester Sexteto Andorinha um Jürgen Karte, einem bekannten Dresdner Bandoneonspieler. Das Ensemble bringt in der Besetzung des orquesta tipica mit zwei Bandoneons, zwei Violinen, Klavier und Kontrabass authentisch den traditionellen Tango argentino auf die Bühne. Gleichzeitig gründete er zusammen mit dem Gitaristen Detlef Bunk Tango Infamia. Das Duo war seitdem regelmäßig zu Gast in Chemnitz und begeisterte mit seinen ausgewählten Tango-Klängen das Publikum. Seit dem Frühjahr 2001 gehört das Duo Tango Amoratado zum festen Bestandteil Chemnitzer Tango-Abende. Tango Amoratado – das sind Jürgen Karthe (Bandoneon) und Fabian Klentzke (Klavier) aus Dresden, die sich seit Herbst 2000 aus der Lust am Spiel, am Improvisieren und der gemeinsamen Arbeit im Sexteto Andorinha als Duo versuchen.

 

Nicht nur im Rahmen der Tango-Veranstaltungen konnten internationale Interpreten und Orchester des lateinamerikanischen Tanzes bewundert werden. So spielte im Juni 2001 auf der Eröffnung der Sonderausstellung „Sehnsucht aus dem Blacebalg - Concertina & Bondoneon“ das Trio Pantango im Dorint Hotel. Ein weiteres Highlight folgte im Januar 2002. Unter dem Motto Tango affaire – die immer neue Affäre eines Tanzes mit seiner Kleidung – präsentierten Schneeberger Design-Studenten Tango-Mode. Musikalisch wurde die Couture-Show vom Sexteto Andorinha begleitet. Für Show-Auftritte sorgten sechs Tango-Tänzer aus Berlin mit dem Namen „esmarch zweiundvier“ sowie Rafael Ramirez und seine neue Tanzpartnerin Lisa Hey. Auch im Rahmen des Kulturfestivals „Begegnungen“ sind seither tangomarx mit fantastischen Tango-Shows und einzigartigen Musikdarbietungen vertreten, wie beispielsweise zur Fiesta Latina im Herbst 2002. Unter dem Motto „Salsa meets Tango“ agierte in der Schönherrfabrik Nuevo Quintetto Angel zusammen mit der Sängerin Anja Stöhr.  Erik Engelhardt, der Haus- und Hoffotograf des Tangosalons, stellte hierbei eine Fotodokumentation der vergangenen Jahre aus. Im Frühjahr 2004 fand zum ersten Mal das Festival „Tango mi Amor“ statt. Die Veranstalter von tangomarx hatten es geschafft, zu diesem Ereignis eines der besten Tangoensembles weltweit zu arrangieren: Color Tango aus Buenos Aires. Eine Sensation, denn Chemnitz war die einzige Station der Musiker in Ostdeutschland. Das siebenköpfige Ensemble internationalen Ranges präsentierte ein Konzert der Superlative, das mit Begeisterungsstürmen von den Gästen empfangen wurde. Bereits ein Jahr später konnte stolz erneut Color Tango zum „Tango mi Amor“ Festival nach Chemnitz geholt werden.

 

Doch nicht nur Konzerte wurden organisiert, sondern auch Workshops mit internationalen Tanzlehrern. Zum ersten Tango-Sommer 1999 begeisterte der professionell ausgebildete Tänzer Rafael Ramirez aus Buenos Aires die Tanz-Enthusiasten. Der „Maestro de Tango“ kam nun aller Vierteljahre nach Chemnitz, um sein Können an eifrige Tänzer weiterzugeben. Seit November 2000 belebten die berühmte Martha Anton zusammen mit „El Gallego“ Manolo Oscar Lisanti, beide aus Buenos Aires, die Chemnitzer Tanzkultur. Mit ihrer starken Bühnenpräsenz und sinnlich eleganten Tanzshows haben sie Zuhörer wie Tänzer in Workshops oder langen Tanzabenden immer wieder in ihren Bann gezogen. 

 

Nicht zu vergessen sind die legendäre Tango-Lotterie und der alljährliche Tango-Sommer als Abschluss der Saison, mit langen Ballnächten und vielen Überraschungen. So wurden bereits auf der Schlossteichinsel  oder unterm „Liebesnest“ ausgiebig getanzt, kulinarische Köstlichkeiten serviert, zum Sonntagsbrunch ins Voxxx geladen und Workshops mit professionellen Tanzlehrern aus aller Welt, wie vergangenen Jahres Maria Antonieta Tuozzo und Ezequiel Herrera, organisiert. Musikalisch wurden die Festivals mit zur internationalen Spitzenklasse gehörenden Künstlergruppen vom Rio de la Plata abgerundet. So konnte schon das Trio Pantango mit Ivan Espeche, das Trio Guardia Vieja, Alfredo Marcucci y su Sexteto Veritango, Stazo Mayor sowie Musa Mistonga, die alle durch ihre kraftvollen Tango-Interpretationen begeistern, live in Chemnitz bewundert werden.

 

Mit der Schließung des VOXXX Ende vergangenen Jahres ging auch ein Kapitel Tangogeschichte in Chemnitz zu enden. Was als Vision begann, konnte durch den Enthusiasmus  und Initiative der Veranstalter von tangomarx als anfängliche Tango-Nische zu einer belebten Tanzkultur in Chemnitz entwickelt werden. Um jdie Tangoliebhaber nicht bis zur Eröffnung der neuen Räumlichkeiten warten zu lassen, setzte tangomarx die wöchentliche Tradition im tietzCAFE fort. Erst kürzlich konnte dort das wunderbare Duo el tranvia bestaunt werden. Nun ist es aber soweit: seit dem 28. April öffnen sich auch für die Tango-Szene die Pforten des neuen Domizils. Und zum krönenden Auftakt kann dort am 3. Mai das Duo Musa Mistonga bewundert werden.