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Osvaldo Belingieri wurde in Haedo in der Provinz Buenos Aires geboren. Sein Debüt begann 1944 als Pianist zusammen mit dem Sänger Héctor Mauré. In den Folgejahren arbeitete er in verschiedenen Formationen, unter anderem mit Domingo Federico, Joaquin Do Reyes, Edgardo Donato, Lucio Milena, Héctor Varela und Emilio Balcarce. Den Höhepunkt bildete die fast elfjährige Zusammenarbeit mit Anibal Troilo. Belingieri kam 1957 als Vertretung von Osvaldo Manzi in das Orchester von Pichuco in dem er bis 1968 arbeitete. Während dieser Periode richtete sich seine Konzentration nicht nur auf die Zusammenarbeit mit Troilo. Bereits 1959 gründete er das Trio mit dem Namen „Los Modernos“ mit Alberto García (Bandoneon), Alcides Rossi (Bass), später José Pro und dem Sänger Roberto Goyeneche und zur gleichen Zeit das Quartett “Los Notables del Tango”, mit Leopoldo Federico (Bandoneon), Leo Lipesker (Violine) and Omar Murtagh (Bass). Belingieri versuchte den traditionellen Tango des Tango rioplatense mit neuen Einflüssen des Jazz zu harmonisieren. Er formte seine Musik über leichte Impulse, feste Tempi und reicherte diese mit mannigfaltigen Sounddesigns, wie die von Salgán und Maderna an. „…er entwarf sein Individualität über: die linke Hand und einem sensiblen Sinn das Orchester zu führen, die hektische Rechte neigte zur Virtuosität und beide Hände hielten einen großzügigen Fluss seiner Ideen, in denen bestimmte harmonische Elemente des Jazz enthalten sind. Die scheinbar launischen Anziehungen des extremen „rubato1“ und die Improvisationsvielfalt seiner Arrangements unterstreichen seinen Stil“. Seine letzte Platte nahm er im Jahr 1989 mit seinem eigenen Orchester auf. Er veröffentlichte die CD „Identificación“, die 14 Tracks einschloss. Der Erste von ihnen ist eine sehr gute Neuauflage von „Taconeando“.
1) Rubato oder tempo rubato (ital. rubare= rauben, stehlen) bezeichnet in der Musik eine beabsichtigte Verzögerung im Spielen eines Tones bei gleichbleibendem Tempo. Die so durch kleine Tempoverschiebungen veränderte Melodie wird vom gleich bleibenden Zeitmaß der Begleitstimmen gehalten.
Anibal Troilo *11.07.1914 Abasto (Buenos Aires), † 18.05.1975 Buenos Aires
SUR, Quejas de bandoneon oder Romance de Barrio- wer kennt diese Titel nicht und hat danach auf einer Milonga getanzt. Ihr Komponist Anibal Troilo gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Tango und spielte eine ganz besondere Rolle bei der Entwicklung der Tangomusik. Troilo wurde am 11.7. 1914 in Buenos Aires im Bezirk Almagro geboren. Im Alter von zehn Jahren begann er mit dem Bandoneonunterricht und erreichte innerhalb kurzer Zeit eine außerordentliche Virtuosität auf seinem Instrument. Mit 16 Jahren verließ er die Schule, um professioneller Musiker zu werden. Er gehörte verschiedenen Ensembles an; so spielte er z. Bsp. bei Alfredo Gobbi, Julio Sosa und Juan „Pacho“ Maglio; zeitweilig begleitete er auch Carlos Gardel bei öffentlichen Auftritten. 1929 trat er dem Sextett Vardaro-Pugliese bei, dem er bis 1937 angehörte. In diesen Jahren entwickelte er seinen unnachahmlichen Stil des Bandoneonspiels, der als „Sonido Troilo“ (Troilo-Klang) bewundert wurde und ihm die Bezeichnung „El Bandoneon Mayor de Buenos Aires“ einbrachte: das beste Bandoneon von Buenos Aires. 1937 gründete er sein eigenes Orchester, mit dem er 16 Jahre lang im Varieté Tibidabo auftrat und welches sich bis in die fünfziger Jahre hinein sehr großer Popularität erfreute. Das Orchester war mit exzellenten Musikern besetzt, welche auf ihre Weise ebenfalls zum Erfolg beitrugen. 1938 wurde die erste Schallplatte mit dem Tango „Comme il faut“ eingespielt, viele weitere Aufnahmen bei Odeon und RCA Victor folgten. Anibal Troilo komponierte mehr als 60 Tangos, neben den anfangs genannten sind auch „ La Ultima Curda“, „Che bandoneon“ oder „ Toda mi vida“ besonders bekannt. Troilo gilt als größter Bandoneonist aller Zeiten und wird von den Portenos ganz besonders verehrt. Als er 1975 in Buenos Aires starb, trauerte die gesamte Bevölkerung, An seiner letzten Ruhestätte errichtete die Stadt ein Denkmal ihm zu Ehren, und auch ein Restaurant trägt den Namen „Pichuco“. Dort hängen Fotografien, die seine Karriere dokumentieren, und jeden Abend spielt ein Pianist Tango. Jährlich wird am 11. Juli, Troilos Geburtstag, der Bandoneontag begangen.
LP
- Pichuco y sus cantores (1959)
- Con toda la voz que tengo (1959, mit dem Sänger Francisco Fiorentino)
- Cuando tallan los recuerdos (1959, mit dem Sänger Alberto Marino)
- Tristezas de la Calle Corrientes (1959)
- Haunting! The authentic argentine tango (1959)
- Tongo recio (1963, mit dem Sänger Edmundo Rivero)
- Café de los angelitos (1964, mit dem Sänger Alberto Marino)
- Aníbal Troilo - Floreal Ruiz (1964, mit dem Sänger Floreal Ruiz)
- Él Berlin del la Calle Ayacucho (1964)
- Bien milonga (1965)
- Aníbal Troilo - Froreal Ruiz (1965, mit dem Sänger Floreal Ruiz)
- Pichuco sin palabras (1965)
- Troilo - Marino - Vol. 3 (1965, mit dem Sänger Alberto Marino)
- Soy un porteño (1966)
- Aníbal Troilo y Roberto Grela (1966, mit dem Gittarist Roberto Grela)
- La historia de Aníbal Troilo - Vol 1-3 (1966)
- Otra vez Pichuco (1966)
- Homenaje a Fiorentino (1966)
- Troilo for export (1966)
- Milonguendo en el '40 (1966)
- Tangos de hoy y de siempre (1966, mit Osvaldo Pugliese)
- Troilo - Rivero (1966, mit dem Sänger Edmundo Rivero)
- Lo mejor de Aníbal Troilo (1967)
- Aníbal Troilo for export - Vol. 2 (1967)
- Pichuco sin palabras - Vol. 2 (1967)
- Ni más ni menos (1968)
- Nuestro Buenos Aires (1968)
- Nocturno a mi barrio (1969)
- El Polaco y yo (1969, mit dem Sänger Roberto Goyeneche)
- Che Buenos Aires (1969)
- Las grandes estaciones de Aníbal Troilo (1969)
- For export - Vol. 3 (1970)
- ¿Te acordas ... Polaco? (1970)
- A mí me llaman Juan Tango (1970, mit Juan D'Arienzo)
- Tango en caño 14 (1972)
- Para vos Homero (1972)
- De vuelta a Salta (1973, mit Dino Saluzzi)
- Pichuco y sus cantores (1973)
- Raúl Berón y la Orquesta de Aníbal Troilo (1973, mit dem Sänger Raúl Berón)
- Quejas de bandoneón (1974)
- Bandoneón tierra adentro (1975)
- Tiempo de Aníbal Troilo (1975)
- Ayer, hoy y siempre (1975)
- Recordanda a Aníbal Troilo y su Orquesta (1975)
- Latitud de Buenos Aires (1975)
- Bandoneón mayor de Buenos Aires (1975)
- Bandoneón mayor de Buenos Aires - Vol. 2 (1975)
- Discepolín (1975)
- Troilo en stereo (1975)
- El Conventillo (1977)
- Rcuerdos de Bohemia (1978, mit dem Sänger Alberto Marino)
- Troilo en el '40 (1979)
- Tango y tú ()
- Tango fran Argentina (1983)
„Wenn sich die Musik anhört, wie ein schleichender Panther läuft, muss es die Musik von Carlos Di Sarli sein.“ Carlos Di Sarli, eigentlich Cayetano di Sarli wurde am 7. Januar 1906 in der Stadt Bahía Blanca geboren. Der kleine Carlos fing sehr früh mit Klavierspielen an. Bereits im Alter von 13 Jahren begleitete Di Sarli eine Tournee der Zarzuela-Kompanie in verschiedene Provinzen Argentiniens. In diesen ersten Jahren lernte Carlos die Vielfalt der argentinischen Populärmusik sowie die Anfänge des Tangos kennen. 1919 fand Di Sarli sein erstes und erfolgreiches Engagement in einem Orchester seiner Heimatstadt. Noch im selben Jahr komponierte er bereits seinen ersten Tango: „Meditación“. Als er 17 Jahre alt war, zog er nach Buenos Aires und gründete 1925 seine erstes Sextett. Anfang der 30er Jahre trennte er sich von diesem Ensemble, ging nach Rosario in der Provinz von Santa Fe und spielte anschließend in dem Orchester von Roberto Dimas Lourbes. Bereits 1938 etablierte er sein zweites Sextett, u. a. mit dem Sänger Roberto Rufino. In dieser Zeit feierte Carlos seine größten musikalischen Erfolge. Seine berühmtesten Werke sind u. a. die unvergesslichen Tangos „Retirao“, „Milonguero viejo“ und „Nido Gaucho“. Als Komponist interpretiert Di Sarli den Tango auf seine ganz eigene Art und Weise. Er distanzierte sich von den seinerzeit dominierenden Musikstilen Canaro ´s und Firpo´s. Seine Tangos waren zum einen gekennzeichnet durch ein neues Orchesterschema, indem keines der Instrumente eine tragende Rolle zugesprochen bekam. Zum anderen charakterisieren seine instrumentalen Kompositionen, wie beispielsweise „Corazon“ und „Bahía Blanca“, seinen romantischen und melodischen Stil. Die ruhige Musik mit ihrem klaren Rhythmus macht es Anfängern leicht, sich in den Tango hineinzuhören und auch noch zu der Musik zu bewegen. Ende der 40er Jahre zog er sich mehr und mehr aus dem Musikgeschäft zurück. Der „Senor des Tango“ trug gewöhnlich seine klassisch getönte Brille, die die Spuren eines Unfalls verbargen.
Wenn Sie eine Meinung oder eine Anregung zum Thema abgeben wollen, können Sie sehr gern das FORUM der www.tangozeit.de nutzen.
Manuel Pizarro *23. November 1895 (Buenos Aires) - † 10. November 1982 (Nizza)
Wahrscheinlich ist vielen Tänzern der Name Manuel Pizarro nicht ganz so bekannt wie z. Bsp. Juan D’Arienzo oder Anibal Troilo. Dennoch ist er einer der wichtigen Vertreter des Tango Argentino, und die „Tangozeit“ möchte ihn euch kurz vorstellen. Manuel Pizarro wurde am 23.11.1895 in Buenos Aires geboren. Mit 14 Jahren begann er das Bandoneonspiel beim berühmten Maestro Juan Maglío Pacho zu erlernen. Sein Debüt als Bandoneonist gab er 1913 im „Café Gariboto“ in Buenos Aires. In der Folgezeit spielte er häufig auf so genannten „Bailongos“, spontanen Tanzveranstaltungen, und war Mitglied verschiedener Formationen. 1915 spielte er zusammen mit Francisco Canaro und Negro Ortíz in einem Trio, gleichzeitig auch im Orchester Tipicá Pacho, und wenig später gründete er sein erstes Instrumentalquartett. Der nächste Abschnitt seiner Musikerkarriere war die Arbeit im Orchester Tipicá Eduardo Arolas (1918-1919), bevor er schließlich seine eigene Gruppe gründete. Gemeinsam mit Genaro Espósito formierte Pizarro das Orchester Tipica Genaro- Pizarro, mit welchem er 1920 nach Frankreich reist, mitten hinein in den europäischen Tangoboom. Das Orchester spielt zunächst im Cabaret „Tabarin“ in Marseille, später dann in Paris. Pizarro wurde Eigentümer des Vergnügungstempels „El Garrón“ und trug von dort aus seinen Anteil zur Popularisierung des Tango in Europa bei. Er war damit überaus erfolgreich und wurde auch der „Botschafter des Tango“ genannt. Das Orchester nahm zahlreiche Schallplatten auf und unternahm mehrere Konzertreisen. Manuel Pizarro starb 1982 in Nizza. Quelle: Todotango, Egon Ludwigs Tangolexikon
Was wäre eine Milonga ohne „Derecho viejo“ oder „Una noche di Garufa“! Eduardo Arolas, der Komponist beider Stücke, gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten in der Tangogeschichte und soll hier kurz vorgestellt werden. Erduardo Arolas wurde am 24. Februar 1892 in Buenos Aires geboren. Seine musikalische Karriere begann um 1900 im Hafenviertel von Buenos Aires. Er hatte keine besondere Musikausbildung , sondern eignete sich sein Können autodidaktisch an. Zunächst erlernte er das Gitarrenspiel und war Mitglied verschiedener Formationen, die in den Bordells und Spelunken zum Tanz aufspielten. Ein Freund brachte ihm das Bandoneonspielen bei, das er schon nach kurzer Zeit sehr gut beherrschte. 1908 entstand seine erste eigene Komposition „Una noche di Garufa“, und bereits 1909 formierte er ein Trio unter seiner Leitung. In den folgenden Jahren spielte er als Bandoneonist in verschiedenen Gruppen und arbeitete in Buenos Aires und Montevideo. Er war ein exzellenter Bandoneonist und gelangte zu großer Berühmtheit.
1913 gründete er sein Quartett Eduardo Arolas die in folgender Besetzung spielte: Eduardo Arolas (Bandoneon/ Leitung), Alberto Goyeneche (Piano), Rafael Tuegols (Violine), Julio de Caro (Violine).
Diese Gruppe vergrößerte sich stetig und wurde 1917 zum Orchester Tipica Eduardo Arolas. Sowohl mit dem Quartett als auch mit dem Orchester nahm er zahlreiche Schallplatten bei verschiedenen Labels auf, unter anderem bei Odeon, Victor und Era. Anfang der 1920er Jahre ging Arolas mit seinem Orchester nach Paris. Auch dort hatte er große Erfolge und trug entscheidend zur Popularisierung des Tango Argentino in Europa bei. In Paris komponierte er auch seinen berühmten Tango „Comme il faut“ Eduardo Arolas kehrte nicht Argentinien zurück, sondern blieb bis zu seinem frühen Tod 1924 in Paris.
Die Stadt Buenos Aires ehrte ihn 1971 mit der Umbenennung einer Straße, die seitdem seinen Namen trägt.
José Guilermo *25.06.1900 Uruquai, † 26.07.1981 Buenos Aires
Über José Guillermo Basadoni ist bis heute nicht sehr viel bekannt und aufgeschrieben wurden. Basadoni wurde in Uruquay geboren, siedelte noch im Kindesalter mit seinen Eltern nach Argentinien. Der junge José Guillermo spielte schon sehr früh in einem Jugendorchester. Nachdem er nach Buenos Aires ging, gehörte er einer Formation an, welche für Majestics (später Paramount) in einem Stummfilmkino musizierte. Durch seine gutes Gespür für Musik gelang Basadoni der Zutritt zu kleineren Theaterorchestern , welche zur damaligen Zeit Singspiele und Revuen begleiteten. In diesen Jahren komponierte er seine ersten Tangos. Die nächsten zwanzig Jahre dirigierte er das Rundfunkorchester von Radio Prieto. Seine wichtigsten Werke sind „El amargo“, Esquinita de San Telmo“, „Lirio azul“ und „Machete“.
Quelle: Tango Lexikon - Egon Ludwig
Juan Maglio: *18.11.1881 Palermo (Buenos Aires) - † 14.7.1934 Buenos Aires
Juan Félix Maglio Dodero bekannt unter dem Namen „Pacho“ wirkte um die Jahrhundertwende des 19. Jh.. Pacho fing seine musikalische Laufbahn auf einem kleinen Akkordeon an. Das Spielen hatte ihm der Musiker Luis Almeyda beigebracht. Wie viele der Musiker dieser Zeit erlernte Juan Maglio sein Instrument sehr schnell und wechselte bald auf das Bandoneon. Pacho gelang es in rascher Zeit eine hohe Virtuosität zu erlangen, welche die damaligen „primitiven“ Tangos in ihrer Qualität und Spielart vorantrieb. Juan Maglio alias „Pacho“ gehörte somit zu den wichtigsten Vertretern der „Guardia Vieja“ wie auch Eduardo Arolas, Genaro Espósito and Vicente Greco. Bevor seine Person richtig berühmt wurde, wurden seine vielen Schallplatten zu Dutzenden verkauft und der Spitzname von Juan Maglio war den meisten Zeitgenossen ein Begriff. „Wie es heißt, war Maglio einer der ersten bzw. sogar der erste, der speziell arrangierte Bandoneon-Soli auf Schallplatte aufzeichnen ließ, so erschien 1912 die historischen Titel „La Moracha“ und „La Sonambula“.“ Maglio spielte vorwiegend in dem Stadtteil Palermo in dem er auch geboren wurde. Bis ca. 1930 beschäftigte sich Pacho vorwiegend mit dem Tango Argentino. Ab diesen Jahr wandte er sich hin zur Uruguayischen Volksmusik und da speziell der Polka zu.
Pacho war ein sehr vielseitiger Musiker und gehört zu den Schlüsselfiguren des so genannten „primitiven“ Tango.
Quelle. todotango.com & Tango Lexikon von Egon Ludwig
Pugliese Terragno, Osvaldo Pedro „Chicharrita“– *02.12.1905 – †25.07.1995 In diesem Jahr wurde in Argentinien der Hundertste Geburtstag von Osvaldo Pugliese begangen. Viele der argentinischen Medien berichteten in mehreren Sendungen und Artikeln über das Leben des Komponisten, Pianisten und Bandleaders. Es fanden viele Veranstaltungen zur Erinnerung an den Meister des Tangos Argentinos statt. Osvaldo Pugliese, geboren am 02. Dezember 1905, wuchs in einer Schuhmacherfamilie auf. Pugliese wurde frühzeitig an den Tango Argentino herangeführt. Durch seinen Vater, der als Flötist in einem Tango-Quartett spielte, wurde er im Violinenspiel unterrichtet. Bald wechselte er das Instrument und lernte Klavier spielen. Mit 15 Jahren begann Pugliese, professionell Musik zu spielen. Seine ersten Auftritte mit zwei Freunden fanden im „Café de La Chancha“ im Stadtteil Palermo statt. Etwas später kam die erste Bandoneonistin der Welt, Francisca „Paquita“ Bernardo, hinzu. Bis 1932 war Pugliese Mitglied verschiedener berühmter Orchester und spielte gemeinsam mit Pedro Maffia, Aníbal Troilo, Eduardo Moreno, Alfredo Gobbi und De Caro. In diesen Jahren komponiert er den berühmten Tango „Recuerdo“. 1932 gründete Pugliese seine erste Tangogruppe mit seinem Namen und sieben Jahre später sein Orchesta Típica de Osvaldo Pugliese, welches bis 1960 in existierte und ausgedehnte internationale Gastspiele gab. (die anfängliche Besetzung - Piano: Pugliese, erste Violine: Julio Carrasco, zweite Violine: Antonio Puleio, dritte Violine: Enrique Camerano, erstes Bandoneon: Enrique Alessio, zweites Bandoneon: Osvaldo Ruggiero, erste Kontrabass: Aniceto Rossi, zweiter Kontrabass: Augusto Ganthier). Seine Musik fiel durch die starke Betonung des Rhythmus auf. Des Weiteren fügte Pugliese dem Tango Argentino eine starke Synkopierung und den Kontrapunkt hinzu, welche damals die Avantgarde des Tango darstellte. Damit wurde sein Stil einerseits zum Wegweiser für Salgán und Piazzolla und andererseits auch eine große Herausforderung für die Tänzer. Pugliese war jedoch nicht nur Bandleader, Arrangeur und Komponist, er engagierte sich auch in der kommunistischen Partei, weswegen er oft von den regierungsnahen Medien diskriminiert wurde und seine Tangos selten im Radio erklangen. Nichts desto trotz war seine Musik sehr beliebt und die Menschen verehrten ihn, wegen seines engagierten Auftretens. Pugliese nahm mehr als 150 Musikstücke auf. Meist waren es Tangos, aber auch Walzer und andere Genres. Darüber hinaus bekam Pugliese am 8. Oktober 1986 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Buenos Aires verliehen. Laut einem Zitat seiner Frau Lidia Pugliese, welche im April 2005 in Chemnitz zusammen mit dem Orchester Color Tango gastierte, war es ein Gedanke von Pugliese, den er nach einem Konzert in Japan äußerte: “… ich glaube an den Frieden und wenn ihr eine Taube hoch am Himmel fliegen seht, sende ich euch einen Gedanken von mir. …“
Quellen: Egon Ludwig „Tango Lexikon“, www.todotango.com, www.wikipedia.de
Die zur Jahrhundertwende in Buenos Aires geborene Francisca Bernardo gilt als die erste Bandoneón-Spielerin weltweit. Mit 15 Jahren begann ihre professionelle musikalische Ausbildung am Konservatorium von Catalina Torres. Nach einem hervorragenden Abschluss leitete sie eigene Ensembles und spielte in dem Sextett um Osvaldo Pugliese und Elvino Vardaro in der bekannten Bar „Domínguez“ in Buenos Aires mit. Ab 1922 war Paquita Bernardo bei „Radio Cultura“ unter Vertrag. Sie starb im April 1925 an Tuberkulose.
-Violinist -Pianist -Bandleader
Der in Paris geborene Sohn des Altmeisters Alfredo Eusebio Gobbi komponierte, musizierte und spielte in zahlreichen bekannten Orchestern mit. So zum Beispiel spielte er bei Roberto Firpo und Vardaro-Pugliese. Gobbi war in den Theatern und den Salons von Buenos Aires zu Hause und vertrat das Erbe seines Vaters mit großem Stolz.
Osvaldo Pugliese war umgeben von herausragenden Musikern, welche gleichzeitig eine sehr tiefe Freundschaft pflegten. Zum einen Aniceto Rossi, die “Rhythmusmaschine” des Orchesters, der Bandoneonist Osvaldo Ruggiero und der Violinist Enrique Camerano. Camerano spielte insgesamt 18 Jahre im Orchester von Osvaldo Pugliese. In dieser Zeit komponierte er unter anderem “No quiero perderte” und “Marianela”.
Artola, Héctor Maria *30.04.1903 San Jose de Mayo (Uruquay), † 08.07.1982 Buenos Aires
Als sich Héctor Maria Artola alias „Quico“ 1967 aus dem öffentlichen Leben komplett zurückzog, konnte er auf ein bewegtes und sehr erfolgreiches Leben im Zeichen der Musik zurückblicken. In seiner Jugend brachte sich Artola das Bandoneon- und Pianospiel selbst bei und erreichte bereits durch sein autodidaktisches angelerntes Können eine hohe musikalische Qualität. Sein Debüt war 1924 bei der feierlichen Einweihung des Cabarets Chantecler in Montevideo. Danach spielte er gelegentlich im Quartett von Arolas und Donato- Zerrillo. Über seine Kontakte aus der Musikszene und sein unermüdliches Wirken brach Artola 1927 mit dem Orchester Bianco – Bachicha zu einer großen Europatournee auf. In den Folgejahren reiste Artola noch mehrmals nach Europa und arbeitet unter anderem mit Dreambroggio „Brahicha“ zusammen. Artola sammelte dabei sehr viele und schöne Erfahrungen. Zurückgekommen in der „Tangohauptstadt“ Buenos Aires, beeinflusste er in den 40er Jahren den Tango maßgeblich. Er hielt in dieser Zeit sehr engen Kontakt zu Fresedo und Troilo. 1938 leitete er das Orchester Maida, und ab 1940 bis 1949 war er als Direktor das hauseigene Orchester des Senders Radio El Mundo. Danach gab er das Bandoneon- und Pianospiel auf und widmete sich ausschließlich der Komposition und den Texten von Tangos, so zum Beispiel „Ayúdame a vivir“, „Como el arco iris“ oder „Equipaje“. Artola war ein sehr bekannter Vertreter des Tango ríoplatense und beeinflusste mit seinen Arrangements den Tango der vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhundert nachhaltig.
José Guilermo *25.06.1900 Uruquay, † 26.07.1981 Buenos Aires
Über José Guillermo Basadoni ist bis heute nicht sehr viel bekannt und aufgeschrieben wurden. Basadoni wurde in Uruquay geboren, siedelte noch im Kindesalter mit seinen Eltern nach Argentinien. Der junge José Guillermo spielte schon sehr früh in einem Jugendorchester. Nachdem er nach Buenos Aires ging, gehörte er einer Formation an, welche für Majestics (später Paramount) in einem Stummfilmkino musizierte. Durch seine gutes Gespür für Musik gelang Basadoni der Zutritt zu kleineren Theaterorchestern , welche zur damaligen Zeit Singspiele und Revuen begleiteten. In diesen Jahren komponierte er seine ersten Tangos. Die nächsten zwanzig Jahre dirigierte er das Rundfunkorchester von Radio Prieto. Seine wichtigsten Werke sind „El amargo“, Esquinita de San Telmo“, „Lirio azul“ und „Machete“.
Quelle: Tango Lexikon - Egon Ludwig
TITA MERELLO- Tita de Buenos Aires *19.11.1904
"Man sagt von mir / Se dice de mi
Man sagt von mir, daß ich wild bin, daß ich zum Böswilligen neige, daß ich X-Beine habe und mich wie ein Kerl bewege. Daß ich wie ein Leguan erscheine, meine Nase spitz ist, meine Figur mir nicht hilft und mein Mund ein Briefkasten ist. ..... Sie sagen viele Dinge, noch mehr, wenn sie das Ausmaß nicht interessiert. Warum verlieren sie den Kopf, wenn sie sich um mich bemühen? ..... Und sich vor mir verbergen. Verbergen, daß ich träumende Augen habe neben anderen Vorzügen, die beeindrucken. Wenn ich häßlich bin, weiß ich, daß ich dafür die Haut einer Puppe habe. Sie sagen, daß ich knochig bin, aber sie haben mich nicht in meinem Nachthemd gesehen"
In der Welt des Tangos gibt es Lieder, die mit ganz bestimmten Interpreten in Verbindung gebracht werden, obwohl durchaus auch Versionen anderer Musiker existieren. So ist dies z.B. mit Garúa von Goyeneche, Sur von Troilo und Rivero, Corazon de Oro von Canaro, Mi Buenos Aires Querido von Gardel, Adios Nonino von Piazzolla, Ninguna von Rufino, A la gran Muneca von Di Sarli usw. der Fall. Auf die gleiche Weise identifiziert Se dice de mi Tita Merello. Bei diesem Lied ist es unmöglich an jemand anderen zu denken. Warum? Weil sie aus dem Lied mehr gemacht hat: ein Gesamtkunstwerk mit Musik, Text und Theater. Die Schauspielerei war auch eine der Stärken Tita Merellos. Am 11. Oktober 1904 geboren, spielte sie, noch ganz jung, in Couplets mit, Singstücken voll mit Humor und Bissigkeit, die sie auf ihrem weiteren Weg als Sängerin beeinflußt haben. Tita wirkte in den dreißiger Jahren auch in einigen Filmen mit. Davon zog sie sich jedoch zurück, um sich ausschließlich Gesang und Theater zu widmen. Obwohl sie als Solistin und mit verschiedenen Ensembles auftrat, ist ihr Werk vor allem in der Zusammenarbeit mit Francisco Canaro und in ihren Filmen aus den fünfziger Jahren Filomena Marturano, Arrabalera, Mercado de Abasto um nur einige zu nennen, zu sehen. Mit Anmut und Humor zu singen, in der Art des einfachen Mädchens aus der Vorstadt, das sie auch war, prägten nicht nur ihren musikalischen Stil. Dieser steht im Gegensatz zu dem sehr damenhaften, welcher durch Libertad Lamarque repräsentiert wurde. Nach dem Putsch gegen Peron verließ sie Argentinien und lebte für kurze Zeit in México. Wieder zurück, gestaltete sie, sehr eng vor allem mit jungen Menschen verbunden, die Fernsehsendung: El Consultario de Tita. Hier beriet und half sie Mädchen und Frauen in allen Lebensfragen.
* 24.11.1908 (Rosario-Santa Fe) † 12.12.2000 (Méxiko Stadt)
Libertad gehört zu den berühmtesten und populärsten Interpretinnen des Tango ríoplatense. Sie war Sängerin, Theater- und Filmschauspielerin. Ihre Kindheit verbrachte sie in Montevideo (Uruguay) und stand bereits mit 7 Jahren im Theater auf der Bühne. Mit elf Jahren wurde sie Mitglied einer Künstlergruppe und wandte sich um 1925 definitiv dem Tango-Gesang zu. Die Auftritte im Colón Theater gestalteten sich als wahre Siegesfeiern. Ihr erster großer Erfolgstitel war „Macosita“ und bereits 1926 erschien ihre erste Schallplatte bei Victor, welcher 160 weitere folgen sollten. Nach Einzug des Tonfilms wurde sie als singende Schauspielerin in mehr als 60 Tangofilmen eingesetzt, so z.B. in „Tango“ 1933, „Caminito de gloria“ (1939), „Una voz en la vida“ (1941), u.v.a.m. 1947 musste sie Argentinien verlassen und ging mit ihrem Mann Alfredo ins Exil nach Mexiko-Stadt. Die Gründe scheinen banal. Libertad hatte sich mit ihrer Künstlerkollegin Eva Duarte de Perón (Ehefrau des Staatspräsidenten Argentiniens Juan Domingo Perón) in Streitigkeiten verwickelt. Es heißt das sie durch kleinliches Konkurrenzdenken psychisch so unter Druck gesetzt wurde das nur noch der Ausweg ins Exil blieb. In Mexiko setzte sie ihre Karriere fort. Es folgten Schalplattenaufnahmen und Konzerte in Chile, Uruguay, Kuba, Paraguay, Brasilien, Mexiko und den USA. Bis zu ihrem Tod lebte sie in Miami (Florida, USA). Quelle: Tango Lexikon
Francisco Fiorentino (23.09.1905 Buenos Aires 11.11.1955 Mendoza)
- Sänger, Badoneonist Francisco Fiorentino reiht sich zweifellos in die Vorbilder der so genannten “Orchestersängers” ein. Seine zarte Stimme, sein Markenzeichen, machte ihn zu keinem Virtuosen im eigentlichen Sinne. Dies beeinträchtigte jedoch seinen außergewöhnlichen Erfolg als Musiker keineswegs. Fiorentino arbeitete gemeinsam mit Aníbal Carmelo Troilo “Pichuco“ 6 Jahre zusammen. Seine größten Erfolge feierte Francisco Fiorentino als Sänger. F. wirke zudem als Bandoneon spieler in verschiedenen namhaften Orchestern mit. Fiorentino zog 1951 nach Uruguay, nicht zuletzt weil seine Erfolge nachließen. Fiorentino starb im Alter von 50 Jahren an den Folgen eines Unfalls.
Miguel Caló (28.10.1907 Buenos Aires 24.5.1972 Buenos Aires)
Schon sehr jung studierte Caló Musik, lernte Geige und Bandoneon zu spielen. Sein erstes Engagement erhielt er 1926 bei Osvaldo Fresedo, der Calós Stil entscheidend prägte. Bereits drei Jahre später gründete er sein erstes eigenes Ensemble. Besonders in den 40er Jahren war Calós Orchester sehr populär, nicht zuletzt weil er es gut verstand, erstklassige Musiker, wie Armando Pontier, Enrique Francini und Antonio Rodio, zu gewinnen und zu einem Orchester zu verbinden. 1961 schaffte er es noch einmal, einen Teil seines populärsten Orchesters der 40iger erneut unter dem Namen “Miguel Caló y su orquesta de las estrellas“ zu vereinigen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen “Jamás retornarás“, “Qué te importa que te Ilore“ oder der Tango “Dos fracasos“.
Das Projekt „Gotan Project“
Gotan oder auch Tango, eine Wortspielerei setzte den wohl bekanntesten Namen in der elektronischen Tangoszene zusammen. Gotan Project wurden 1999 durch die Musiker Philippe Cohen Solal, Eduardo Makaroff und der aus Basel stammende Christoph H. Müller gegründet. Für das neueste Projekt „Lunático“ kam Nini Flores als Bandoneonist und die aus Barcelona stammende Sängerin Cristina Vilallonga hinzu. Ihr Debutalbum wurde millionenfach in der ganzen Welt verkauft und ist fast in jedem Land der Erde kein unbekanntes mehr. 2003 gewann dann „La Revancha del Tango“ in der Gruppe Newcomer den BBC World Music Award. In einem Interview betonte Philippe Cohen Solal, dass sie den Tango und die argentinische Folkloremusik verbinden und weiter entwickeln wollen. Es ist eine „Fusion von Tango und argentinischer Folklore mit den Möglichkeiten der elektronischen Musik.“ taz Für die Musiker von Gotan Project steht vor allem Anibal Troilo als Vorbild für ihre Tango orientierten Stücke. Auf der neuen CD „Lunático“ hört man meiner Meinung nach sehr gut die starke Orientierung an der traditionellen Musik Argentiniens heraus. Die Ideen für die ausgefallenen Arrangements entstanden vor allem während vieler Sessions mit argentinischen Musikern. “ Es gibt viele Gründe, warum die Musik des Gotan Project nur in einer Stadt wie Paris entstehen konnte: „Paris ist die zweite Hauptstadt des Tangos“, sagt Eduardo Makaroff, der vor sechzehn Jahren aus Buenos Aires nach Paris zog und dort einen Tango-Club eröffnete. „Ich habe hier mit einigen der besten Sänger und Musiker des Genres zusammengearbeitet.“ Gleichzeitig lastet der Druck der Tradition im Ausland nicht so stark auf den Schultern der Künstler, wie dies im Mutterland des Tangos der Fall wäre: Schon Astor Piazolla zettelte seine Revolution des Tangos deshalb einst in Paris und den USA an. Und schließlich verfügt Paris über eine offene Musikszene, in der das stilistische Crossover Tradition hat. „Paris mag die zweite Hauptstadt des Tangos sein“, sagt Philippe Cohen-Solal. „Aber es ist auch die erste Hauptstadt der Weltmusik. Bei uns ist es üblich, abends im Club auf einen Jazzmusiker zu treffen, der gerade mit einem afrikanischen, brasilianischen, arabischen oder kubanischen Musiker auf der Bühne jammt.“ So laut TAZ vom 24.4.2006, S. 13, 265 Z.
Alfredo de Angelis « El colorado » (2.11.1912 Androgué 31.3.1992 BsAs.) Bereits mit 10 Jahren hatte er seine ersten Auftritte. Nach zahlreichen Engagements in verschiedenen Ensembles, gründete er Anfang der 40er sein eigenes Orchester, welches er bis 1977 dirigierte. Für ihn charakteristisch sind Tangos mit harmonischer und einfacher Struktur. Die Stücke Lunes, Marinero, Gloria, Como nos cambia la vida und Almagro sind Zeugen seines Stils. De Angelis war nicht nur ein exzellenter Pianist und Dirigent mit einem unverwechselbaren Stil, sondern auch ein hervorragender und produktiver Musiker. Er komponierte “Pregonera“ ... “El taladro“, dem Banfield-Fußballclub gewidmet, mit dem er sympathisierte. Nach einer großen Karriere, zahlreichen Beiträgen zur Tangokunst und mit allem Respekt des Publikums und der Kritiker starb er am 31. März ‘92.
Juan D’Arienzo Améndola - „El Rey de Compás“ * 14.12.1900 Buenos Aires † 14.01.1976 Buenos Aires
Juan D‘Arienzo gilt als einer der wichtigsten Orchesterleiter seiner Epoche. Als Sohn eines italienischen Einwanderers begann er bereits mit 12 Jahren Violine zu spielen. Nach Beendigung seiner Ausbildung spielte er in diversen Gruppen und Orchestern nicht nur Tangomusik. Ab 1926 widmete er sich wieder dem Tango und formierte ein eigenes Typisches Orchester. Der Durchbruch kam aber erst 9 Jahre später mit Eintritt eines neuen Pianisten - Rudolfo Biagi – der bereits mit Pacho, Gardel, Juan Canaro und Juan Guido erfolgreich war. Biagi war es, der dem Orchester einen ganz eigenen Charakter gab. Er arrangierte Kompositionen erstmals wieder im 2/4 Takt. Diese Neuinterpretation verlieh D’Arienzo den Beinamen „El Rey del compás“, „König des Taktes“. Charakteristisch waren das schnelle Tempo, das rhythmische Spiel seines Pianisten und die Staccato-Passagen der Melodieinstrumente. Auch als Biagi 1938 sein eigenes Orchester gründete hatte sich D’Arienzo bereits selbst so mit dem 2/4 Rhythmus identifiziert, dass er daran weiter arbeitete und so frischen Wind in die herkömmliche Musik des Tango brachte. D‘Arienzos Repertoire bestand aus Kompositionen vergangener Zeiten, die sich für den traditionellen Stil dieses Orchesters eigneten. Seine Musik sollte es schaffen, das Publikumsinteresse am Tangotanz wiederzuerwecken. Ab 1960 experimentierte er mit neuen stilistischen Ausdrucksmitteln. Doch nicht nur er arbeitete auf eine Erneuerung der Tango-Interpretation hin. Auch Aníbal Troilo, Francisco Canaro, Oswaldo Pugliese und Oswaldo Fresedo waren daran interessiert. Gemeinsam gründeten sie das Instrumentalquintett „Quinteto de Oro“, dessen Arrangements auf der Basis des klassischen Tangos beruhten. Die meisten seiner Arrangements spielte D’Arienzo beim Label „Victor“ oder „RCA Victor“ ein. Beginnend mit dem zuerst aufgenommenen Tango „Esta noche me emborracho“ bis hin zu seinem größten Erfolg „La Cumparsita“. Er wurde mit einem Goldenen Nipper und neun Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. PS: In einem Interview äußerte er einmal, dass sein Orchester aus min. einem Piano, 2 Bässen, 5 Violinen, 5 Bandoneon und 3 Sängern bestehen solle. Es gab auch Arrangements mit bis zu 10 Violinen. Quelle: Passion of Tango; Tango Lexikon (Egon Ludwig), www.todotango.com
„Mein Vater arbeitete in einer Zuckerrohrfabrik und es war ihm nicht möglich uns finanziell zu unterstützen…“ Dino Saluzzi erblickte 1935 in Campo Santa als dritter Sohn einer armen Familie das Licht der Welt. Die Grundbegriffe im Bandoneonspiel erhielt er von seinem Vater, welcher selbst ein notabler Folkloremusiker war. Saluzzi orientiert sich in seinen Anfangsjahren an dem Spiel von Ortiz und der regional typischen Folkloremusik um die Region von Salta. Bereits im vierzehnten Lebensalter beherrschte er das Bandoneon so gut, dass er im Trio Carneval seine ersten Auftritte bestritt. Seine eigentliche professionelle Laufbahn begann 1955 als Saluzzi nach Buenos Aires ging. In der Hauptstadt fand Dino Saluzzi Anschluss an Typische Tangoorchester, wie Enrique Francini. Die Stadt verschaffte Saluzzi auch eine Begegnung mit Astor Piazzolla, welche sich in einer Aufnahme bei RCA widerspiegelte. Dino Saluzzi wollte mehr. Saluzzi wollte eine freie Improvisation erreichen, ohne zu vergessen, wo seine Wurzeln sich befinden. So kam es, dass er Anfang der 70er mit dem Saxophonisten Gato Barbieri eine Platte unter dem Namen „Chapter One: Latin America“ aufnahm. „… Ich glaube für die Zukunft ist es uns möglich unser eigenes Lateinamerika entstehen zu lassen. … das ist ein großes Ereignis. Wir können ein Typus „Lateinamerika“ entwickeln und den Weg für neue Ideen vorbereiten.“ Saluzzi spielte in den Folgejahren in verschieden Formationen mit. Unter anderem gründete er 1979 das „Cuarteto Dino Saluzzi“. Mit diesem Quartett füllte er nach wenigen Auftritten in Europa die Zeitungen mit positiven Schlagzeilen. In den 80ern nahmen viele Jazzmusiker, wie Charlie Haden oder Palle Mikkelborg, Saluzzis Bandoneon in ihre Kompositionen mit auf. Dino Saluzzi meinte in diesen Jahren „ … der Tango ist viel komplexer als die meiste Jazzmusik. Der echte Tango ist irgendwie locker und erlaubt freie Interpretationen. Es ist nicht genug die Technik zu können – Akkorde, Tonleitern usw. Er braucht eine ganz andere Ausdrucksweise. Es ist beides: reiner und komplexer.“ 1991 erfüllte sich Saluzzi einen langjährigen Traum. Er produziert mit seinen Brüdern Felix und Celso und seinem Sohn Josè: „Mojotoro“. Mojotoro vereinigt viele Aspekte der Folkloremusik Lateinamerikas: Tango, Volksmusik, Candina Musik, Candombe, die Milonga der argentinischen Pampa …
Leo Vervelde studierte von 1976 bis 1979 Akkordeon an dem Konservatorium Rotterdam bei Philip van Loon. Er spielte in verschiedenen Ensembles mit, welche sich besonders folkloristischer Musik annahmen. Es war also unumgänglich, dass er eines Tages (in den 80ern) dem Tango Argentino über den Weg lief. Vervelde konnte dem Klang des Bandoneons nicht widerstehen und begann 1986 als Autodidakt das Bandoneonspiel zu erlernen. Zu Beginn der 1990er Jahre studierte er dann mit Juan José Mosalini am Konservatorium Edgar Varese in Paris Bandoneon. Fortan spielte Leo Vervelde in mehreren Orchestern, welche den Tango Argentino interpretierten. 1987 war er Mitbegründer des Ensembles Otros Tiempos (Gitarre und Bandoneon). 1988 gründete er mit einem befreundeten Kollegen, Karel Kraayenhof, das erste Tango Sextett der Niederlande „Sexteto Canyengue“, welches Erfolge rund um den Globus feiert. Eine seiner größten Begegnungen in der damaligen Zeit (1990) war eine Einladung vom legendären Pianist, Arrangeur und Komponist Osvaldo Pugliese. Neben den Fächern Jazz, Pop und Weltmusik richteten Vervelde und Kraayenhof 1993 das Fach Tango Argentino im Konservatorium von Rotterdam ein. Im Jahr 1995 verließ Leo Vervelde das Sexteto Canyengue und arbeitete mit dem Komponist, Arrangeur und Pianist Gustavo Beytelmann zusammen. Ab dem Jahr 2001 arbeitet und spielt Vervelde an und in verschieden Projekten. So auch im größten europäischen Tangoorchester „OTRA“ oder auch „La Grand Orchetra típica OTRA“.
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